Dieser Text wurde veröffentlich in einem kleinen Büchlein von Peter Helbich
" Gib uns ein getrostes Herz " ( 1989)
Die Botschaft der Bibel -
in Holz geschnitzt von Henryk Zegadlo

Henryk Zegadlo, 1934 in Polen geboren, lebt seit 1978 in der Bundesrepublik. 
Seit vier Jahren arbeitet er in einem kleinen Häuschen nahe der katholischen Kirche in Meersburg am Bodensee. 
Beeindruckend ist Zegadlos schlichte Schnitzkunst.
Runde Formen, klare Linien und ausdrucksvolle Gesichter und Gesten lassen sofort erkennen, was der Künstler sagen will. 
„Die eigentliche Kunst liegt immer in der Vereinfachung der Form. Alles Beiwerk verdeckt und stört", betont Zegadlo. 
Man muss seine Figuren in die Hand nehmen, 
das Holz Fühlen und den Duft des Wachses riechen, mit dem diese Skulpturen eingerieben wurden. Man muss die Maserung des Holzes und die Farben sehen, mit denen die Figuren bemalt sind. Es ist das Holz, mit dem Zegadlo arbeitet und gestaltet. In dieses Holz schneidet und schnitzt er Erlebnisse der Kindheit, des Elternhauses, seiner Heimat und seines Glaubens. Mit dem Holz nimmt Gestalt an, was aus seinem Herzen kommt. Meistens verwendet er Zedern-, Kiefern-, Buchen- oder Pappelholz. Das Holz des Baumes ist für ihn ein Symbol des Lebens:

„Der Baum ist Symbol und Teil unserer Existenz. Als Schutz und Schild, als guter Freund und stiller Leidensgenosse. Von ihm stammen Wiege, Tisch, Bett und Sarg. Und das Kreuz über unserem Grab." 

Zegadlos Art zu schnitzen und das Holz zu bearbeiten, ist geschmeidig und kräftig zugleich. Seine Arbeiten zeigen die geschulte Hand eines Künstlers, der sein Handwerk in einem sechsjährigen Studium auf der Kunstakademie in Warschau gelernt hat. Schon der Großvater auf dem heimatlichen Bauernhof hat Spielzeug geschnitzt, um zusätzlich etwas zum Lebensunterhalt zu verdienen. 

Inzwischen ist Henryk Zegadlo bekannt, und seine Arbeiten sind in vielen Museen (z.B. in Krakau, Warschau, Stockholm, Tokio, New York, Hamburg, Bonn, Berlin und München) vertreten. 
Immer wieder finden auch in kirchlichen Räumen Ausstellungen mit seinen Werken statt. Seine Arbeiten lassen sich in zwei Motivgruppen einteilen: die bäuerlich-heimatlichen und die biblisch-religiösen Motive. Vor allem die biblischen Gestalten sind Henryk Zegadlo seit seiner Kindheit vertraut.
„Ich hatte das Glück", so berichtet er, „einen Pfarrer zu haben, der uns die Bibel erzählt hat."

In den sonntäglichen Gottesdiensten seiner Kindheit haben sich die biblischen Bilder tief in seiner Seele verankert. So finden sich heute unter seinen Skulpturen z.B. Adam und Eva, Moses, König David, Jona im Fisch, Maria und das Kind, Petrus, der gekreuzigte und auferstandene Christus. Christus ist der sich um die Menschen sorgende und für sie sich opfernde Gottessohn. 

In vielen Gestalten der Bibel sieht Zegadlo das Blühen und Welken, das Werden und Vergehen, das Kommen und Gehen und die Sehnsucht des Menschen nach Erlösung. Bei allem, was Zegadlo schnitzt und malt, entwirft und gestaltet, geht es um Gott und den Menschen, vor allem um Christus und die mit ihm verbundene Erlösung des Menschen. 

Den einzelnen Skulpturen, die Henryk Zegadlo eigens für dieses Heft geschnitzt hat, sind deshalb Texte beigegeben, die von den Grundaussagen und der Hoffnung des Glaubens handeln. 

Peter Helbich

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