Dieser Text wurde in verschiedenen Büchern veröffentlicht.
U.a. Naive Polnische Kunst v. Gretel Bouchette und Udo Christoffel. - Kunstamt Wilmersdorf
Ich Henryk Zegadlo
geboren  1934, bin der älteste Sohn eines Kleinbauern aus Mittelpolen. Von Kindheit an habe ich zusammen mit meinem Vater und meinem Bruder in den Wintermonaten traditionelles Holzspielzeug geschnitzt.
Mein künstlerisches Talent wurde ausgerechnet beim Militär entdeckt. Neben meinem Dienst bei der Marine durfte ich eine Förderschule für Bildende Kunst besuchen, die mir den Zugang zur Hochschule ermöglichte. Sechs Jahre lang habe ich an der Kunstakademie Warschau Malerei studiert. Nach Abschluss meines Studiums kehrte ich im Alter von 30 Jahren in mein Heimatdorf Krzyzka (Kreuzdorf) zurück. Ich begann mit der Arbeit von Holzskulpturen und regte auch meinen jüngeren Bruder Eugeniusz an, sich künstlerisch zu  betätigen.
Inzwischen gehören mein Vater Adam, geboren 1910, mein Bruder Eugeniusz, geboren 1943, und ich zu den bekanntesten polnischen Künstlern dieses Genres. Nach vier Jahren Arbeit wurden staatliche Kunstfreunde auf uns aufmerksam und ermöglichten uns zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.
Meine Kunstwerke wurden rund um die Welt ausgestellt und befinden sich in vielen Museen. Neben einer großen Anzahl von Presseveröffentlichungen wurde mein Leben und Schaffen auch in Form mehrerer  Fernsehdokumentationen dargestellt.
Grundlage meiner Arbeiten ist die Volkskunst und die religiöse und bäuerliche Überlieferung meiner Heimat. Die Motive meiner Holzfiguren und Malereien Hinter Glas sind von spürbarer Kraft und einem eigenwilligen Stil geprägt. Für meine bildhauerische Arbeit verwende ich am liebsten das Holz von Pappeln oder Linden. Häufig gebrauche ich auch Fichten- und Kiefernholz, seltener sind die Figuren aus Birn- und Nussbaum, aus Weide, Buche, Esche und Erle.
In der Tatra, wo ich öfter als Land-und Holzarbeiter beschäftigt war, habe ich die dort sehr verbreitete Kunst der Hinterglasmalerei kennen gelernt. Die mit selbstgemischten Kaseinfarben gemalten Bilder setze ich in große selbstgeschnitzte Rahmen.
Dem politischen System in Polen, nicht aber meiner Heimat habe ich den Rücken gekehrt und lebe seit 1978 in Westeuropa. Vor mehr als fünfhundert Jahren hat Veit Stoß sein Bündel gepackt und ist nach Krakau gewandert. 
Weshalb er das tat, weiß ich nicht. Aber ich weiß, was mich dazu bewegen hat, mein Schnitzmesser, den Gorallenhut, die Tracht, den Dudelsack » mein ganzes Hab und Gut » einzupacken, um mein Land in Richtung Westen zu verlassen. Vielleicht ist es ein Unglück,  im 20.Jahrhundert geboren worden zu sein. Und dann noch in Polen, wo eine aus dem Osten drängende Macht eine irrsinnige Weltanschauung gesät hat und dafür ein kulturelles Erbe verkommen lässt. Die Zufälligkeit des Lebens führte mich zu meinem Studium an die Kunstakademie nach Warschau. 
Damals gab es eine Verordnung desPolitbüros: Rote Farbe ist nur für die Gefilde der Kolchosen, Grau für die Volksmassen und Rosa für Josef Stalins Wangen. Später gab es einen heftigen Umschwung: In der Kunst gab es viele öglichkeiten. Jeder konnte malen, was er sah. Auch heute darf man dies noch in der Volksrepublik Polen. 
Als ich anfing, mich zu orientieren, beschäftigte ich mich mit den Wurzeln der alten, christlichen, polnischen Kultur. Was ich in Erfahrung brachte, gefiel der neuen Regierung nicht. Aber ich spürte mehr und mehr, daß ich meine Identität und das Rüstzeug für das Leben gefunden hatte. Deswegen wurde ich angegriffen, man hat viele fahre lang versucht, mich moralisch aufzureiben.
 Ich habe dieses Situation beobachtet und erduldet in der Hoffnung, daß es eines Tages ein Ende geben würde. Schließlich spürte ich, daß das Leben zu kurz ist, um immer nur zu warten. Eine Hälfte meines Lebens habe ich in einem kommunistischen Land verbracht. Den Rest wollte ich nicht ebenso verleben. Ich stand vor der schwierigsten Entscheidung meines Lebens.
Jetzt bin ich hier. Ich fand eine Gemeinschaft und fühle mich frei. Veit Stoß kam zurück und ging dann nach Nürnberg. Es war ein schweres Los für ihn.
Bis an das Ende seines Lebens schnitzt man Figuren „ wie der alte Meister „.
Das daraus Gewachsene fordert die Erinnerung heraus: Der Baum ist Symbol und Teil des Lebens. Als Schutz und Schild, als guter Freund und stiller Leidensgenosse.
Von ihm stammen Wiege, Tisch, Bett, Sarg und das Kreuz über unseren verwesenden Knochen.
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